| Etappe 8, Krakow am See - Güstrow ca. 30 km.
Wir verlassen Krakow am See (S) in Richtung Alt Sammit [1] . Dort sollte man die einfache rechteckige Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert besuchen, um sich nach kurzer Rast rechts auf den Weg nach Groß Breesen [2] zu machen. Auch im benachbarten Bellin [3] lohnt ein Blick in die spätromanische Kirche. Hier blieben seltene Wand- und Gewölbemalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert erhalten. Nicht nur hier und nicht nur auf dieser Etappe zeugen mehrere Hügel- und Steingräber von der frühen Besiedelung der Gegend. Der Belliner Steintanz gehört zu den bekanntesten Anlagen dieser Art und zu den immer noch ungelösten Rätseln unserer Tage. Der kurze Abstecher in die Vergangenheit lässt sich übrigens wunderbar mit einem Picknick verbinden. Wenige Kilometer weiter, durch Mühl Rosin [4] hindurch, dürfen sich Wanderer und Radfahrer zunächst auf einen reizenden Blick über den Inselsee freuen.
Wollen Sie pausieren, so empfiehlt sich ein Besuch des Natur- und Umweltparks mit seinen großzügigen Wolffreigehegen. Verschnaufen Sie, bevor Sie in die historische Altstadt von Güstrow (Z) einradeln. Die Türme der alten fürstlichen Residenz künden schon von weitem unübersehbar von ihrer mittelalterlichen Geschichte. Von der Backsteingotik bis zum Klassizismus beherbergt sie ein reizvolles Architekturensemble. Dabei dominieren zwei Bauwerke. Zum einen der massige, gotische Dom, den der Stadtgründer Fürst Heinrich Borwin II. anno 1226 stiftete. Und zum anderen das prachtvolle Renaissance-Schloss, das Herzog Ulrich ab 1558 bauen ließ. Die heute als Kunstmuseum und als Kulisse für stilvolle Veranstaltungen genutzte Anlage blieb im Norden Deutschlands unübertroffen erhalten.
Darüber hinaus beeindrucken die ebenfalls gewaltige Pfarrkirche, der Marktplatz und die Bürgerhäuser. Viele von ihnen stammen zwar aus älteren Tagen, wurden später jedoch mit einem klassizistischen Giebel verjüngt. Andere tragen ihr wahres Alter hingegen mit Würde zur Schau. Bekannt machten die Stadt zu allen Zeiten große Namen. Wallenstein zum Beispiel, der hier drei Jahre residierte, Zar Peter I., der mit August dem Starken Friedensverhandlungen führte. Georg Friedrich Kersting, der zusammen mit Caspar David Friedrich die romantische Malerei prägte, wurde hier geboren. John Brinckman lehrte und lebte in Güstrow. Uwe Johnson ging hier zur Schule. Am bekanntesten aber ist wohl Ernst Barlach, der die mecklenburgische Kleinstadt zu seiner Wahlheimat machte. In den nunmehr drei Museen der Ernst Barlach Stiftung sind bildhauerische Werke und eine biographische Ausstellung zu Leben und Werk des Künstlers zu sehen.
Die Bestrebungen einer traditionsbewussten, zukunftsorientierten und ökologischen Entwicklung haben der Stadt nicht nur den Titel »umweltfreundlicher Fremdenverkehrsort« eingetragen. Die Kommune wurde mit ihren Projekten zugleich als Außen-Standort der EXPO 2000 auserkoren. Der Natur- und Umweltpark macht einen Fluss für den Betrachter vollkommen durchschaubar. Gehen Sie durch einen Aquatunnel unter dem Flusswasserlauf entlang und staunen Sie, wie viel Leben ein Fluss beherbergen kann.
Vergangenheit und Gegenwart, Architektur und Landschaft - sie gehen in Güstrow eine besonders liebenswürdige Verbindung ein.
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